|
Die Herren von Ingelheim Familiengeschichte allgemein Ab dem 12. Jahrhundert verzeichnet die Geschichtsforschung gesicherte urkundliche Erwähnungen des Adelsgeschlechtes derer von Ingelheim. Vieles spricht dafür, dass die Familie schon lange davor im Ingelheimer Grund ansässig war. Die Ingelheimer amtierten vermutlich als kaiserliche Ministeriale und gehörten später dem Oberhof, einem Appelationsgericht, als Schultheißen bzw. Oberschultheißen an. Die Stammhäuser der Familie lagen in der Stiegelgasse des heutigen Ober-Ingelheim, wo sie sich in zwei verschiedenen Linien etablierte. Im 14. Jahrhundert, als der Ausverkauf des Reichsgutes an die Territorialherren stattfand, konnte der Kurfürst Ruprecht I. Ingelheim und den Ingelheimer Grund im Jahre 1375 für die Pfalz letztgültig als Pfand erwerben und machte damit die Herren von Ingelheim zu kurpfälzischen Untertanen. Bis ins 16. Jahrhundert hinein lebte die Familie, der regionale und lokale Verwaltungsaufgaben oblagen, in eher ländlichen Verhältnissen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg boten sich neue Chancen, wirtschaftlichen und sozialen Einfluss zu gewinnen. Im Unterschied zu ihrem Landesherren blieben die von Ingelheim katholisch. Es war für sie deshalb nicht mehr opportun, einem protestantischen Territorialstaat zu dienen. Sie orientierten sich klugerweise zu Kurmainz hin und begründeten damit ihren gesellschaftlichen Aufstieg. Es gelang ab der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, wichtige Ämter im Mainzer Kirchenstaat zu erlangen, verwandtschaftliche Beziehungen zu wichtigen Adelsgeschlechtern zu knüpfen und Besitz zu erwerben (Hunsrück, Rheingau, Mainfranken). Kaiser Leopold I. ernannte die Ingelheimer 1680 zu Reichsfreiherren und erlaubte ihnen 1698, Wappen und Namen der erloschenen Familie Echter von Mespelbrunn zu übernehmen. Schließlich erfolgte 1737 die Erhebung in den Reichsgrafenstand durch Karl VI. Die Auswirkungen der Französischen Revolution veranlassten die Herren von Ingelheim, ihre linksrheinischen Besitzungen aufzugeben und sich stattdessen auf den Ausbau ihrer Position im Rheingau und vor allem in Mainfranken zu konzentrieren. Philipp Von Ingelheim (Vorfahre des Kurfürsten) 1431 Lothringen Von Philipp von Ingelheim wissen wir, dass er am 2.7.1431 im Zuge von Erbstreitigkeiten zwischen René von Bar und Graf Anton von Vaudemont gefallen ist. Herzog Karl I. von Lothringen hatte mit dem Kardinal von Verdun vertraglich vereinbart, dass seine Tochter Isabella mit Herzog René von Bar vermählt werden solle, damit die Länder Bar und Lothringen im Falle seines Todes unter einer Herrschaft vereinigt würden. Als Herzog Karl am 25. Januar 1431 verstarb, erhob jedoch der Graf von Vaudemont seinerseits Ansprüche auf Lothringen. Bei den hieraus folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen unterstützte Pfalzgraf Ludwig bei Rhein mit einem Aufgebot pfälzischer Ritter den Herzog René von Bar. Sie endeten mit einer Niederlage Renés. Unter den zahlreichen Toten waren neben Philipp von Ingelheim auch viele andere Mitglieder des pfälzischen Adels. Der Mainzer Meistersinger Bernkopf, genannt Frauenzucht, hat die tragische Begebenheit in einem Heldenlied verewigt. Ein Grabmal, das dem Gedenken Philipps gewidmet ist, befindet sich in der Ober-Ingelheimer Burgkirche. Anselm Franz von Ingelheim (Kurfürst und Erzbischof) * 1634 Köln 1695 Aschaffenburg Für die aufstrebende Familie derer von Ingelheim war die Erlangung von Schlüsselpositionen in Kurmainz von großer Wichtigkeit. So hatte man auch für die geistliche Karriere des begabten Anselm Franz alle Voraussetzungen geschaffen. Bereits vor ihm hatten andere Familienmitglieder einflussreiche Positionen am kurmainzischen Hofe inne gehabt. Sein Vater Georg Hans von Ingelheim führte den Titel eines Kurmainzischen Marschalls und Rates und sein Vetter Marsilius Gottfried gehörte zum diplomatischen Umfeld sowohl des für seine Rheinbund-Aktivitäten bekannten Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn als auch der nachfolgenden drei Übergangs-Kurfürsten. Im Rahmen seiner Aufgaben war es Marsilius gelungen, gute Beziehungen aufzubauen, die offenbar über seinen überraschenden Tod hinaus wirksam waren. Wie Sigrid Duchhardt-Bösken im HJb 1982 S. 58 ausführt, wurde Anselm Franz von Ingelheim, der sich zuvor als Statthalter in Erfurt bewährt hatte, im Jahre 1679 mit tatkräftiger Unterstützung der Wiener Diplomatie zum Mainzer Kurfürst-Erzbischof gewählt. Wenn mit der Erlangung dieses Amtes auch ein familiengeschichtlicher Erfolg errungen war, so hatte er doch mit der Erzkanzlerschaft eine schwere Aufgabe übernommen. Er musste im Spannungsfeld zwischen Habsburgern und Bourbonen agieren. Die Hegemonialbestrebungen Ludwigs XIV. waren bereits deutlich erkennbar. Im Oktober 1688 spitzte sich die Situation zu, als die Festung Mainz, wie Ernst Martin Schreiber im HJb 1960 ausführt, von einem 20.000 Mann starken französischen Heer bedroht wurde und Anselm Franz in die Kapitulation einwilligen musste. Der Kurfürst wich über Aschaffenburg nach Erfurt aus. Zwischen den Franzosen und dem herbeigerufenen Befreiungsheer entbrannten schwere Kämpfe, die zwei Monate andauerten. Der Pfälzische Erbfolgekrieg kam indessen voll in Gang und Anselm Franz kehrte nicht mehr nach Mainz zurück. Nach letztmaligem prachtvollem Auftreten auf dem Kurfürstentag zu Augsburg im Jahre 1690, zog er sich in seine Residenz Aschaffenburg zurück. Dort ist er am 30. März 1695 verstorben. Seiner letztwilligen Verfügung entsprechend erhielt er in der Aschaffenburger Stiftskirche ein Begräbnis, während sein Herz im Mainzer Dom bestattet wurde. Anton Dieterich Carl von Ingelheim (Grossneffe des Kurfürsten) * 1690 1750 Einem Neffen des Kurfürsten Anselm Franz, mit Namen Franz Adolf Dietrich von Ingelheim (1659-1742), gelang es in Kooperation mit dem Onkel und durch eigene Initiativen hervorragend, das Sozialprestige und das Vermögen der Familie zu mehren. Er bekleidete das Amt eines Präsidenten des Reichskammergerichts in Wetzlar. Wie bei Sigrid Duchhardt-Bösken im HJb 1982 zu lesen ist, konnten seine Nachkommen das erreichte soziale Niveau und den politischen Einfluss der Familie erhalten. Der auf dem Kupferstich abgebildete Anton Dieterich Carl von Ingelheim ist einer seiner Söhne. Er war Chorbischof von Trier, Kapitular von Lüttich, Kaiserlicher Geheimer Rat sowie bei Wahl und Krönung von Kaiser Karl VII. und Franz I. Kurtrierscher 1. Botschafter. Philipp Karl von Ingelheim (Urgroßneffe des Kurfürsten) * 1801 1879 Der auf dem Ölbild dargestellte Philipp Karl von Ingelheim führte die Titel K. K. Kämmerer und Rittmeister in der Armee. Er war ein Urenkel des kinder- und erfolgreichen Franz Adolf Dietrich, Reichsfreiherrn von Ingelheim, gen. Echter von Mespelbrunn. Autorin: Margarete Köhler (entnommen dem Heft "2000 Jahre Ingelheim im Spiegel der Kunst - von den Römern bis zur Gegenwart")
|
