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Karl der Große * 748 814 Aachen Das Lebensprogramm Karls des Großen lässt sich in Kurzform mit zwei Sätzen aus der Biografie Einhards umreißen: "(...) Karl erwies sich so, indem er sein Reich erweiterte und fremde Völker unterwarf, als großer Herrscher und war dauernd mit Plänen solcher Art beschäftigt. Aber er begann auch zahlreiche Bauwerke, die dem Königreich zur Zierde und zum Nutzen gereichten; einige vollendete er auch." Danach folgt eine ausdrückliche Erwähnung der Ingelheimer Pfalz, aus der man auf ihre herausragende Bedeutung schließen darf: "(...) Auch begann Karl mit dem Bau von zwei herrlichen Palästen: der eine war nicht weit von Mainz in der Nähe seines Gutes Ingilenheim, der andere in Nimwegen am Fluss Waal (...)". Bei seinem ersten verbürgten Aufenthalt in Ingelheim, im Jahre 774, machte er nur kurz Station, um organisatorische Anordnungen als Feldherr zu treffen. Er schickte von hier aus vier Heerscharen gegen die Sachsen. Im Jahre 787 traf er dagegen im Dezember mit seiner Familie und seinem Gefolge ein, um den Winter in Ingelheim zu verbringen. Man feierte die Hochfeste Weihnachten und Ostern hier und berief anschließend im Juni 788 eine Reichsversammlung ein, auf der Bayernherzog Tassilo III. abgeurteilt wurde. Insgesamt dauerte der Aufenthalt somit 7 Monate. Wenn es auch vom Chronisten nicht ausdrücklich erwähnt wird, so ist doch davon auszugehen, dass zu dieser Zeit eine dem Anlass angemessene Pfalzanlage mit geräumigen Gebäuden bereits vorhanden gewesen sein muss. Eine zweite große Reichsversammlung fand in Ingelheim im August des Jahres 807 statt. Karl und sein Hof haben vielleicht noch zu anderen Gelegenheiten die Ingelheimer Pfalz besucht. Entsprechende Aufenthalte sind jedoch bisher nicht belegbar. Heute liefern die neuesten archäologischen Untersuchungen Beweise dafür, dass das ehemals ländliche Hofgut unter seiner und seines Sohnes Ludwig Regentschaft zu einer repräsentativen Monumentalpfalz umgestaltet worden ist. Im "Ingelheimer Reich" ist Karl nicht nur als Bauherr, Gastgeber, Staatsmann und Richter, sondern auch als Grundherr in Erscheinung getreten. Mit seinem Capitulare de Villis et Curtis Imperialibus wurde eine bis ins Detail gehende Verordnung für die Bewirtschaftung der kaiserlichen Herrenhöfe und Landgüter erlassen, die auch auf den Ingelheimer Krongütern anzuwenden war. Die agrarische Entwicklung dürfte hierdurch auf lange Zeit nachhaltig beeinflusst worden sein. In den letzten Jahren seines Lebens haben die Ingelheimer den Kaiser vermutlich nicht mehr zu Gesicht bekommen. Er hielt sich vorzugsweise in Aachen auf, wo er am 28. Januar 814 verstorben ist. Kaiser Friedrich I. Barbarossa ließ zu Beginn seiner Regierung den verfallenden Ingelheimer Palast erneuern und veranlasste 1165 die Heiligsprechung Karls. Die verklärende Erhöhung des Vorgängers sollte dem eigenen Kaisertum Glanz verleihen. Von Aachen nahm nun eine sich stetig steigernde Karls-Verehrung ihren Ausgang, die im 14. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte. Im Zusammenhang mit diesem Kult gründete Karl IV. 1354 in Ingelheim, dem vermeintlichen Geburtsort des Kaisers, ein Augustiner-Chorherrenstift. Das Bild des toten Herrschers entwickelte sich mehr und mehr zum Mythos, dem an vielen Orten des Reiches, darunter auch in Ingelheim, religiöse Verehrung zuteil wurde. Das Original der Reiterstatuette war eines der Bildnisse, die solchen Kultzwecken dienten. Autorin: Margarete Köhler (entnommen dem Heft "2000 Jahre Ingelheim im Spiegel der Kunst - von den Römern bis zur Gegenwart")
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