Jean Baptiste Kléber

* 1753 Straßburg … 1800 Kairo

Der Straßburger Jean-Baptiste Kléber hatte bereits in der österreichischen Armee gedient und neun Jahre als Bauinspektor gearbeitet, als er sich 1792 freiwillig zum französischen Revolutionsheer meldete. Wegen seiner Verdienste bei der Belagerung von Mainz im Jahre 1793 wurde er von Custine zum Brigadegeneral befördert. Als Divisionsgeneral bei der Nordarmee kommandierte er 1794 den linken Flügel bei der siegreichen Schlacht von Fleurus und nahm die Festung Maastricht. Daraufhin übertrug man ihm im Dezember 1794 die erneute Belagerung von Mainz mit dem bestimmten Auftrag, die Stadt unter allen Umständen und so schnell wie möglich zu nehmen. Seit dem Sommer 1794 war das linke Rheinufer französisch besetzt, mit Ausnahme von Mainz, das als letztes deutsches Bollwerk gegen die Franzosen von den Österreichern gehalten wurde. Frankreich baute daraufhin seine Stellungen rund um die Stadt zu einer Gegenfestung, den Mainzer Linien, aus. Über 30.000 Mann schlossen Mainz ein .Die vor Mainz liegenden fünf französischen Divisionen waren bis zu Klébers Ankunft dem Oberbefehlshaber der Rheinarmee, General Michaud, unterstellt. Kléber, der im Herbst 1794 mit seinen Truppen in Köln Quartier bezogen hatte, folgte dem Befehl nur widerwillig. Als er am 29. November bei dem Volksrepräsentanten Merlin in Alzey eintraf, fand er nach eigenem Bekunden "die Klubisten und Schreier aus ganz Deutschland" vor und beschloss, ihren Einfluss nach Möglichkeit auszuschalten. Es zeichnete sich schon ab, welche Probleme ihn erwarteten. Nach einem ersten Gefecht bei Zahlbach richtete er am 1.12. sein Hauptquartier, das "Quartier général devant Mayence" in Ober-Ingelheim ein. (Klébers dortige Anwesenheit wird durch ein erhaltenes Dokument belegt.) Zu Klebers Verdruss schränkte man seine Handlungsfreiheit dahingehend ein, dass man ihn dem Oberbefehl General Michauds unterstellte. Kléber stellte auch bald fest, in welch desolatem Zustand sich die unzulänglich versorgten Truppen befanden. Der erfahrene Praktiker musste einsehen, dass eine erfolgreiche Durchführung seines Auftrags nicht möglich war. Von Kälte und Hunger entkräftet starben die Soldaten. Ein strenger Winter erschwerte alle Bemühungen, dem ärgsten Mangel abzuhelfen. Es spricht für Klébers Gerechtigkeitssinn, dass er trotzdem auch für die vom Krieg heimgesuchte Bevölkerung Verantwortung empfand. Als das Dorf Sauer-Schwabenheim auf Befehl eines Truppenführers in Brand gesetzt worden war, gewährleistete er durch persönliches Eingreifen, dass die Dorfbewohner unbehelligt löschen und retten konnten. Es gelang ihm trotz aller Anstrengungen nicht, die Lage der Armee vor Mainz zu verbessern. Eine Denkschrift an den Wohlfahrtsausschuss fand kein Gehör. Zermürbt durch die Reibereien mit Michaud und die Uneinsichtigkeit der Pariser Machthaber resignierte er schließlich, beantragte Urlaub und reiste am 13. Februar 1795 nach Straßburg ab. Nach einer Erkrankung Michauds erhielt Kléber den Oberbefehl über die Rheinarmee und kehrte am 10. April nach Ober-Ingelheim zurück. Die Verhältnisse hatten sich nicht gebessert. Am 30. April verloren die Franzosen ihre Stellung am Hartenberg an die Österreicher trotz hartnäckigen Widerstandes. Kléber konnte in Mainz das Kriegsglück nicht wenden. Anfang Mai erhielt er endlich die sehnlich erwartete Rückversetzung zur Sambre-Maas-Armee. Nach einem Zusammentreffen mit General Jourdan in Köln war ihm klar, dass die Erzwingung eines Rheinübergangs die nächste militärische Aufgabe sein würde. Paris erteilte Ende Mai Weisung, den Rhein an zwei Stellen zu übeschreiten. Man hoffte, Mainz so auch auf dem rechten Rheinufer einschließen und durch Belagerung gewinnen zu können. Am 3. Oktober schien der Plan aufzugehen. Kléber und seinen Truppen gelang es, Kostheim in Besitz zu nehmen. Damit war Mainz nördlich des Mains blockiert. Erneut erhielt er nun das Kommando über alle vor Mainz stehenden Truppen. Das bei einer Zusammenkunft in Ober-Ingelheim am 4. Oktober zwischen Jourdan und Pichegru verabredete weitere militärische Vorgehen ließ sich allerdings nicht mehr in die Tat umsetzen. Die gerade erst eroberten Stellungen konnten nicht gehalten werden, weil der österreichische Oberbefehlshaber General Clairfait im Anzug war. Schon nach wenigen Tagen musste General Jourdan den Main wieder verlassen und sich bei Düsseldorf über den Rhein zurückziehen. Am 21. Oktober befand sich auch Kléber fast wieder in der gleichen Lage wie vor dem Feldzug. Das Intermezzo war beendet.
Wieder war es nicht gelungen, Mainz zu erobern. Am 29. Oktober konnte General Clairfait sogar den Belagerungsring der Franzosen durchbrechen.
Als sich das Direktorium 1798 entschloss, durch militärisches Eingreifen in Ägypten die britische Einflusssphäre zu stören, befand sich Kléber unter den Generälen, die Bonaparte als Divisionskommandeure für dieses Expeditionscorps ausgesucht hatte. Nach anfänglichen Erfolgen verließ den sieggewohnten Feldherrn das Kriegsglück. Er setzte sich nach Frankreich ab und übertrug im August 1799 den Oberbefehl über die zurückgelassenen Truppen Kléber. Dieser konnte sich als Militärfachmann und Republikaner weder mit dem Führungsstil noch mit den politischen Zielen Napoleons identifizieren. Groß war seine Enttäuschung, als er durch die Engländer von der Auflösung des Direktoriums und dem Staatsstreich des 18. Brumaire erfuhr. Trotzdem nahm Kléber die militärische Herausforderung an und gewann die Herrschaft über ganz Ägypten zurück. Am 14. Juni 1800 wurde er im Garten seiner Residenz von einem Araber erstochen. Napoleon soll vergeblich große Anstrengungen gemacht haben, in den Besitz der Kléber'schen Tagebücher zu gelangen.

Autorin: Margarete Köhler (entnommen dem Heft "2000 Jahre Ingelheim im Spiegel der Kunst - von den Römern bis zur Gegenwart")

Literatur:
Klaeber 1900
Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Aufl. Leipzig und Wien 1905
Baier, L.: Soldat der Freiheit. In: Die Zeit Nr. 47/1998, S. 108
Mainz 1998, S. 347

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