Anton Otto von Cloß

* um 1660 Roermond(?) … 1737 Ingelheim

Man weiß nicht genau, wann und warum der kurpfälzische Obrist Anton Otto von Cloß nach Ingelheim kam und dort Besitz erwarb. Er war Kommandeur einer Reitertruppe, die Bestandteil des oberrheinischen Kreis-Kavallerie-Regiments war. A. Saalwächter vermutet, dass die Kreis-Eskadron nach Beendigung des spa-nischen Erbfolgekrieges, also nach 1712, vom Niederrhein kam, um in der Unterpfalz Quartier zu beziehen. Während die Mannschaften im Oberamt Oppenheim untergebracht wurden, ließ sich von Cloß, vielleicht aus persönlichen Gründen, auf Dauer in Nieder-Ingelheim nieder. Er bewohnte dort, wo sich heute die Pestalozzi-Schule befindet, ein Landhaus und erwarb Grundstücke im Bereich Kohgasse, Kirchengarten und Pelsengarten. Von Cloß, der 1733 zum Generalwachtmeister befördert worden war, gelang es, nach und nach seinen Besitz auf über 100 Morgen Flächeninhalt zu vermehren. Den Mittelpunkt bildete mit großer Wahrscheinlichkeit der ehemalige Deutschherrenhof, der sich nachweislich bereits 1376 auf dem Belsen befunden hat und 1471 an die Kartäuser vom Mainzer Michelsberg verkauft worden war. Möglicherweise ist dieser Hof von ihm restauriert oder ausgebaut worden. General von Cloß, ein gläubiger Katholik, der vom Niederrhein, vielleicht aus Roermond, stammte, starb unverheiratet und ohne direkte Nachkommen am 26. Oktober 1737. In seinem ausführlichen Testament, das er wie ein fürsorglicher Hausvater am Tage zuvor errichtet hatte, bedachte er einige seiner Untergebenen und Freunde mit Legaten, vermachte seinem Vetter und Testamentsvollstrecker das "Haus zum Ochsen", der Stadt Roermond sein dorti-ges Vermögen und einer Jesuitenniederlassung eine beträchtliche Summe Bargeld. Für mehrere Ortschaften fundierte er Kaplaneien. Zu Gunsten von neun Ortschaften errichtete er eine Armenstiftung und verfügte genau, wie die Zinsen des Stiftungskapitals zu verteilen seien. Sein Ingelheimer Landgut sollte nach seinem Willen zur Gründung einer Jesuitenmission genutzt werden. Drei Patres und ein Bruder sollten das Gut bewirtschaften und die Überschüsse zur Unterstützung von Armen und Reisenden verwenden. Der Bau einer Kapelle sollte aus dem Erlös seines Silbers finanziert werden. Von Cloß fand nach seinem Tode in der Nordwand der katholischen Kirche seine letzte Ruhestätte. Nach dem Willen des Erblassers wurde das Hofgut nun von 1737 bis zur Aufhebung des Ordens im Jahre 1773 von den Jesuiten verwaltet. Bis 1782 durften diese mit Duldung des Kurfürsten als Weltpriester weiter dort arbeiten und die Einnahmen des Gutes für Stiftungsaufgaben verwenden. Danach wurde der Hof an den Lazaristenorden übergeben, war von 1797 bis 1806 französisches Nationalgut und dann Spekulationsobjekt. Nacheinander gelangte das Anwesen anschließend in den Besitz der Herren bzw. Familien Dumont, Handel, Seufferheld, Klotz, Erlanger und Solms-Braunsfeld, wobei der alte Gebäudekomplex natürlich nicht erhalten blieb. Heute befinden sich darauf der Jägerhof, das frühere Heim der Monikaschwestern und das Haus St. Martin. Die jeweiligen Eigentümer errichteten ihrem Bedarf entsprechende Wohnbauten im Stil ihrer Zeit. General von Cloß, der Ur-Eigentümer und hochherzige Stifter, hat sich für die Nachwelt in einem Bild verewigen lassen, das uns erhalten blieb. Die Jesuiten haben es in Ehren gehalten. Vermutlich ist es nach Auflösung des Stifts in das katholische Pfarrhaus gelangt, wo es noch heute aufbewahrt wird.

Autorin: Margarete Köhler (entnommen dem Heft "2000 Jahre Ingelheim im Spiegel der Kunst - von den Römern bis zur Gegenwart")


Literatur:
Saalwächter, A.: Rund um den Königshof Ingelheim. In: BIG 16, 1966, S. 9 ff.

©Pia Steinbauer