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Eduard Douwes Dekker, genannt Multatuli * 1820 Amsterdam 1887 Ingelheim Im Jahre 1880 kam - 39 Jahre nach Albert Gerhard de Roock - wieder ein Niederländer, der viele Jahre auf Java verbracht hatte, nach Ingelheim, um hier seinen Lebensabend zu verbringen. Es war der ehemalige Kolonialbeamte und Schriftsteller Eduard Douwes Dekker, dem ein Gönner den Kauf eines Hauses auf der Steig finanziert hatte. Dekkers Leben hatte bis dahin einen abenteuerlichen Verlauf genommen. Mit seinem Vater, einem Amsterdamer Kapitän, war er 1839 nach Java gekommen und fand dort bei der Kolonialverwaltung eine Anstellung. Seine Karriere, die von einem dreijährigen krankheitsbedingten Europaurlaub unterbrochen war, verlief recht erfolgreich. 1856 wurde er zum Assistent-Residenten von Lebak auf Java ernannt. Sein Versuch, die unkorrekte Amtsführung des javanischen Fürsten seiner Region aufzudecken und anzuprangern, endete mit Strafversetzung und dienstlichem Verweis, weil sein Vorgesetzter in die Angelegenheit verstrickt war. Als er auch beim Gouverneur kein Gehör fand, wurde er 1856 auf eigenen Antrag hin aus der staatlichen Kolonialverwaltung entlassen. Der nun völlig mittellose Dekker kehrte ohne seine Familie auf dem Landweg nach Europa zurück, wo er von da an als Schriftsteller umherreiste. Sein Roman "Max Havelaar", den er unter dem Pseudonym "Multatuli" (Der ich viel getragen habe) verfasste, war eine schonungslose Enthüllung kolonialpolitischer Missstände in Indonesien. Die Veröffentlichung erregte großes Aufsehen. Dekker war nicht der einzige Kritiker des nach dem Java-Krieg installierten Systems. Von 1850 bis 1870 dauerten in Holland die Parlamentsdebatten um die "koloniale Frage", bei der sich Konservative und Liberale kontrovers gegenüberstanden. Der mutige Autor, der mit seinem Buch den Nerv der Epoche getroffen hatte, war ansonsten eine wahrhaft schillernde Persönlichkeit. Seine Realitätsferne, übergroße Sensibilität und erotische Ausstrahlung brachten dem Spieler und Egozentriker so viele Probleme, dass er ständig psychisch und finanziell vom Absturz bedroht war. Wie durch ein Wunder kam 1880 Beständigkeit in sein bis dahin so unruhiges Leben. Das großzügige Darlehen eines Freundes ermöglichte ihm den Erwerb des abgelegenen Hauses auf der Steig, in dem er fortan mit seiner zweiten Frau Mimi und seinem Adoptivsohn zurückgezogen lebte. Er pflegte keinen Kontakt zu den Ingelheimern und sie sahen in ihm einen Eigenbrötler und Sonderling, der sogar mit ihrem Pfarrer und dem Bürgermeister im Streit lag. Die wenigen Dorfbewohner, die in seinem Haus verkehrten, erkannten in ihm einen liebenswerten, doch verletzlichen und vom Leben enttäuschten Menschen. Am 19. Februar 1887 ist er in seinem Haus verstorben. An seinem 100. Todes-tag wurde seiner in Ingelheim mit einer Literatur-Ausstellung im Rathaus gedacht. Im Rahmen eines Multatuli-Symposiums gründete sich im selben Jahr die internationale Multatuli-Gesellschaft. In Holland gilt Multatuli heute als einer der bedeutendsten Schriftsteller des Landes. Seine Werke wurden ungefähr 10 Jahre nach seinem Tod von Wilhelm Spohr ins Deutsche übersetzt. Autorin: Margarete Köhler (entnommen dem Heft "2000 Jahre Ingelheim im Spiegel der Kunst - von den Römern bis zur Gegenwart")
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